Bullshit Resistenz – Podcast Empfehlung für mehr kristalline Vernunft

kritisches Denken gegen Bullshit Resistenz!

schnelle und knappe Moin moin zusammen,
hier mal wieder eine Podcast Empfehlung: „Auf dem Weg zur Bullshit Resistenz“ ein Radio Nova Hörsaal Podcast. Philipp Hübl spricht über „Verschwörungstheorien, Pseudowissenschaft, Absurdes, Desinformation, Lügen und Geschwurbel“.
All dem begegnen wir täglich im Internet. Bullshit eben. Die Erklärung für so viel Bullshit ist ebenso einfach wie überzeugend, jeder Mensch kann heute „Sender“ sein. Und manche dieser Menschen sind sehr laut. So sind etwa 2% der fake news Produzenten für 80% der fake news verantwortlich. Eine Qualitätskontrolle findet in digitalen (sozialen) Medien häufig nicht statt.

Hübl fragt sich: Wie entwickelt man ein kritisches Denken um Bullshit zu erkennen? Was ist wenn einem dieser Bullshit manchmal hervorragend in die eigene Weltanschauung passt? Wie gelangt man zu mehr Rationalismus und weniger Bauchgefühl?

Rationalitätsquotient und kristalline Vernunft

Hübl folgt dem amerikanischen Psychologie Professor Keith Stanovich, welcher das Konzept des Rationalitätsquotient entwickelt hat. Um vernünftige Entscheidungen zu treffen benötigen wir Aufmerksamkeit und kristalline Vernunft. Unter kristalliner Vernunft versteht er dabei Denktechniken, die helfen typische Denkfehler zu vermeiden und kritisch mit eigenen Vorannahmen zu sein. Es geht darum sich zu sensibilisieren und sich nicht nur auf das eigenen Bauchgefühl zu verlassen, welches nach Stanovich für „religösen Fanatismus, Umweltzerstörung die Bankenkrise und gescheiterte Ehen.“ verantwortlich ist.

Bestätigungsirrtum – confirmation bias

Wenn wir irgendeine Theorie, Hypothese oder Anschauung haben, neigen wir dazu nach Bestätigung für ebenjene zu suchen und uns vor allem auch besser an die Geschichten, Artikel, Berichte und Fakten zu erinnern, die unsere eigenen Vorannahmen bestätigen. Wir müssen also entgegen unserer eigenen natürlichen Haltung immer fragen: „Was spricht eigentlich dagegen?“

statistisches Denken

Jeder kennt den Ausspruch, dass man nur der Statistik trauen soll, die man selbst gefälscht hat. Statistischen Aussagen haben also nicht gerade den besten Ruf. Doch Statistiken sind eine Quelle der Vernunft und ein wichtiger Gegenpol zu Ängsten und dem Bauchgefühl. Wenn man die Deutschen z.B. in den letzten Jahren gefragt hat was die größten Ängste sind, dann wurde die Angst vor Terror sehr oft genannt. Demgegenüber steht die fast schon homöopathische Chance durch einen Terroranschlag ums Leben zu kommen. So ist es zum Beispiel in den letzten Jahren 10000mal wahrscheinlicher gewesen im Haushalt tödlich zu verunglücken als bei einem Terroranschlag. Und auch Mücken sind 75000 mal tödlicher als Haie.

kausales Denken

Viele Menschen können nicht gut mit unsichtbaren, weit entfernten oder komplexen Gründen umgehen. So wird zum Beispiel in Verschwörungstheorien häufig nach einfachen, personalen Verursachern gesucht (die CIA, Strippenzieher, Illuminaten etc.pp.).
Je einfacher unsere Erklärungen sind, desto vorsichtiger sollten wir sein sie als wahr zu akzeptieren.

Sprachsensibilität

Wir sind durch Wörter manipulierbar, manche Worte sind inhaltsleer „pseudotiefsinniger Bullshit“, die nichts erklären und kausale Zusammenhänge verschleiern. Sensibilität für Sprache und Wörter hilft dabei Bullshit zu erkennen.

Kritisches Denken alleine reicht nicht

Während durch kristalline Vernunft/ rationales Denken viele Denkfehler zu vermeiden sind, gelingt es Menschen nicht diese Strategien anzuwenden, wenn es um politisch polarisierende Themen, den Glauben oder Werte geht.

Hübl spricht in diesen Fällen von „identitätschschützenden Denkfehlern“. So wurde in diversen wissenschaftlichen Studien nachgewiesen, dass Menschen ihr kritisches Denkvermögen nicht nutzen, wenn es um identitätsstiftende Themen gibt. So läßt sich z.B. erklären, warum auch viele naturwissenschaftlich gebildete Menschen in den USA Darwins Evolutionstheorie als falsch ablehnen.

Diese identitätsschützenden Denkfehler lassen sich nur vermeiden, wenn wir unsere Identität so wenig wie möglich aus einer Gruppenzugehörigkeit ableiten, für Menschen als soziale Lebewesen wohl der allerschwerste Schritt zur Vernunft.

Zusammengefasst, was hilft also?

  1. die eigene Aufmerksamkeit hochfahren, fokussiert und konzentriert bleiben
  2. wissen für welche Denkfehler man anfällig ist und versuchen diese zu verhindern
  3. versuchen die eigenen Urteile nicht aus einer Gruppenmeinung abzuleiten


Was meiner Meinung nach fehlt: Natürlich ist auch die rein vernunftgeleitete Denkweise ein Standpunkt und liegt nicht außerhalb von Standpunkten. Wissenschaftlich vernünftige Denkweise ist auch eine Gruppenmeinung, die bestimmte blinde Flecke hat.

Insofern sollte es meiner Meinung nach nicht darum gehen irgendjemandem unter die Nase zu halten warum ein identitätsschützender Denkfehler falsch ist, sondern Gründe, Anschlussmöglichkeiten und Attraktivität für den eigenen (kritischen, vernunftgeleiteten aber auch relativen) Standpunkt zu entwickeln.
Wir sollten uns fragen wie es gelingen kann Vernunft attraktiv zu machen.
Das ist alles andere als einfach, denn vernünftige Standpunkte sind oft schwer zugänglich, hochkomplex und nehmen Menschen in die Verantwortung.

Wer Lust hat sich näher mit dem was ist auseinanderzusetzen, was richtig und was falsch ist und was überhaupt erkennbar möge sich das wahnsinnig gut gemachtes Feature der Boden der Tatsachen anhören. Auch dieser Podcast fragt danach, warum die Vernunft von scheinbar immer mehr Menschen in Frage gestellt wird.

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