Ambiguitätstoleranz – Podcastempfehlung

Diese Podcastfolge vom SWR aus dem Jahr 2019 beschäftigt sich mit dem Konzept der Ambiguitätstoleranz. Die Psychologin Else Frenkel-Brunswik hat diesen Begriff 1949 geprägt um damit ein Persönlichkeitsmerkmal, bzw. die Fähigkeit zu bezeichnen Mehrdeutigkeit zu ertragen. Mehrdeutigkeit ertragen zu können ist damit in gewisser Weise das Gegenteil von fundamentalistischen oder extremistischen Denkrichtungen und Handlungsweisen, die immer nur falsch oder richtig kennen (schwarz-weiß-Denken). Eine Auseinandersetzung mit diesem Begriff lohnt also sehr für systemisch Interessierte.
Spannend auch die Forschung von Prof. Thomas Bauer der über die Ambiguität mittelalterlicher Islamgelehrter geschrieben hat.
Stark ist dieser Podcast, wenn es darum geht wie viel Ambiguität wir ertragen können und wie viel Schubladendenken wir benötigen. Eine Diskussion in der Niklas Luhmann bestimmt jede Menge beizutragen hätte, da er in seiner Systemtheorie argumentiert hat, dass Systeme immer bestrebt sind Komplexität zu reduzieren (zum Beispiel im Artikel Komplexität von Entscheidungssituationen)
Eher banal ist für mich die Abrenzung der Ambiguitätstoleranz vom Konzept des Risikos in den Versuchen von Feldmann-Hall und Vivez. Demzufolge sind Menschen mit hoher Abiguitätstoleranz beispielsweise sehr viel häufiger bereit mit Fremden zu kooperieren als Menschen mit hoher Risikotoleranz. Hier wird vor allem mit Definitionen gespielt. Risikobereitschaft sei vor allem dadurch gekennzeichnet, dass man die Wahrscheinlichkeit des Ausgangs abschätzen könne. Dies mag vielleicht in psychologischen oder spieltheoretischen Versuchen auf denen die dargelegte Forschung beruht so sein, folgt jedoch meiner Meinung nach ziemlich wenig dem alltäglichen Verständnis von Risikobereitschaft. Eine Unternehmerin, die sich privat verschuldet um Ihre Firma aufzubauen wird wohl auch weiterhin als risikobereit und eher nicht als ambiguitätstolerant angesehen. Die Tragweite des Nicht-Gelingens ist in diesem Fall der entscheidende Faktor für die Charakterisierung als risikobereit und nicht, dass die Wahrscheinlichkeit eingeschätzt werden kann, ob die Geschäftsidee funktioniert oder nicht.

Sie spannendste Frage für mich, inwieweit man Ambiguität trainieren kann, ob man seine Persönlichkeit in diese Richtung beeinflussen kann ist ungeklärt. Hier gibt es immerhin einen kleinen Denkhinweis in Richtung der Erziehung/ der Beschäftigung mit Kunst oder Musik, die in sich mehrdeutig sind.

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