Framing – eine Podcastempfehlung

Der Begriff des Framing bedeutet Rahmung. Für Konstruktivisten und Systemikerinnen ist dieser Rahmen, die Grenze, von besonderem Interesse. Ein Rahmen setzt die Grenze zwischen Bild und Umwelt. Er bestimmt das, was wir als Bild betrachten (sollen) und was nicht. Im Sinne George Spencer Brown’s, der die Unterscheidung als basale Operation seiner Logik postuliert, also davon ausgeht, dass die Unterscheidung die Basis von allem „Erkennen“ ist, könnte man sagen, dass das Bild erst durch seinen Rahmen entsteht.

Das Konzept des Framing überträgt diese Denkweise auf die Sprache. Wie das funktioniert zeigt die Podcastepisode „Framing – Wie gezielt eingesetzte Sprache uns beeinflusst“. Sie ist sehr gut geeignet um sich zum ersten Mal, oder erneut, mit der unglaublichen Wirkmächtigkeit der Sprache auf unser Denken zu beschäftigen. Denn weit mehr als Fakten beeinflussen Wörter und unsere Assoziationen mit diesen Wörtern unser Denken und Fühlen und damit auch politische Diskurse und Entscheidungen.
Dr. Elisabeth Wehling, Soziologien und Sprachwissenschaftlerin an der Universität Berkeley und Autorin eines Buches über politisches Framing zeigt in der Podcastepisode anhand der Begriffe „Klimawandel“, „Steuerlast“, und „Islamischer Staat“ wie Framing unser Denken beeinflusst.

Die Begriffe Klimawandel oder Steuerlast sind nämlich keine neutralen Wörter für Sachverhalte. Vielmehr bilden sie einen Rahmen durch den wir die dahinterliegenden abstrakten und hochkomplexen Phänomene betrachten. Steuern kann man nicht sehen, man kann sie nicht riechen oder schmecken, oder hören. „Mein Denkapparat hat überhaupt gar keine Chance, über Steuern per se nachzudenken so wie sie sind, weil sie in der Welt nicht existieren“.
Wer z.B. den Begriff Steuerlast hört für den wird das abstrakte Konstrukt Steuern erfahrbar. Die Metapher der Steuern als Last können wir uns sehr gut vorstellen, z.B. weil die Erfahrung eines schweren Rucksacks auf dem Rücken psychologisch zugänglich ist. Da die Steuern durch den Begriff der Steuerlast gerahmt sind, erscheinen sie als zu vermeidende Bürde und nicht z.B. als solidarischer Beitrag für die Gemeinschaft – wie es z.B. der Begriff Solidaritätszuschlag macht.

Die beraterische/therapeutische Intervention des Reframing wird zwar nicht direkt besprochen, da sie aber auf dem gleichen Prinzip fußt wird klar, warum ein Reframing so wirkungsvoll sein kann. Wenn eine neue, unterschiedliche Rahmung angenommen wird, erscheint ein Phänomen, eine Handlung oder eine Situation nicht mehr problematisch, sondern im besten Sinne positiv. Analog zum obigen Beispiel könnte man sagen: Die Höhe der Steuern ändern sich nicht, aber es macht in meinem Empfinden einen Unterschied, ob ich sie als Last oder als einen solidarischen Beitrag begreife.

Diese Podcastepisode kann natürlich auch über die sehr-wahrscheinlich Podcast-Playlist abonniert und angehört werden.

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