Feedback und Brainstorming zur Beratung in VR

Auf der diesjährigen Fachforum Onlineberatung habe ich einen Vortrag mit Workshop zum Thema „Systemisch Arbeiten in virtueller Realität – Perspektiven, Chancen und Hürden 2021″ gehalten. Während des Vortrages haben Teilnehmende ihre Eindrücke auf einem Etherpad festgehalten. Zudem wurden in einem Brainstorming in Kleingruppen überlegt, welche neuen Methoden die Beratung in VR erlaubt:

Methoden

  • NLP – Räume kreieren. Ich könnte mir Räume kreieren in denen ich gut arbeiten kann. Die Klient*in kann den Raum nutzen in denen ihr es gefällt.
  • Leichtigkeit in der Beratung. Schutz durch Avatare, Im Coaching Alice im Wunderland Welt verwenden mit der Raupe als Beratung.
  • Aufstellungsarbeiten werden viel einfacher, mit Avataren aufstellen,
  • Es ist Schwierig z.B. in der Schwangerschaftsberatung, da wollen die Personen einen klaren Rahmen. Wenn man im Schwangerschaftskonflikt ist könnte man aber z.B. verschiedene Räume für Wahlmöglichkeiten durchspielen oder vielleicht sogar. ein „virtuelles Baby in die Hand geben“
  • Bietet sich für Meditation, Entspannungsreisen an. Räume in denen die Klient*in sich wohfühlt und nicht der Raum des Beratenden. 
  • anderes Setting und dadurch Schutzräume auch gute Möglichkeit, gerade auch mit der Möglichkeit als Berater*in eine andere „Figur“ anzunehmen
  • Räume könnten genutzt werden um künftige Situationen zu antizipieren. Man kann einen Raum wählen um eine bestimmtes atmosphärische Setting zu konstruieren, die irgendwie primen/anregen/entspannen.
  • KlientInnen wählen eine räumliche Umgebung, in der sie sich wohl fühlen… Kann dazu beitragen, sich zunehmend zu öffnen…
  • Nicht für alle Klienten geeignet, aber Chance für einige Klienten genau das richtige zu sein. Als Ergänzung nutzen, Methodenmix ala blended Counseling sollte die Basis bilden

festgehaltene Eindrücke

  • Der Schritt zu einem computergenerierten Berater ist dann nicht mehr weit. Wenn der Mensch den Unterschied nicht mehr erkennen kann. Gruselig!
  • Ich finde es eher spannend, glaube aber, dass es noch viel Zeit brauchen wird. Und dann mal sehen, welche Chancen und Möglichkeiten es bieten wird. Ein Vorteil gegenüber der Videoberatung ist natürlich die Möglichkeit miteinander zu arbeiten, beispielsweise auf dem Spielbrett. Als Nachteil sehe ich aber die Hochschwelligkeit.
  • Hürde: VR nur nutzbar bei räumlichem Sehen? Personen mit einer Sehbehinderung (ohne räumliches Sehen) können die virtuelle Realität vermutlich nicht oder nur bedingt nutzen.
  • Interessant das Potenzial der Methode z.B. im Hinblick auf die Antizipation des Outcomes von Entscheidungsprozessen. Man kann das gewissermaßen ausprobieren in entsprechend gestalteter Umgebung. Aber die technischen Hürden scheinen mir hoch zus ein. Verlangt viel vom Klient*in. 
  • Das veränderte Setting ist wirkungsvoll. Dem Gespräch so ein atmosphärisch verändertes Setting geben. [SW: Dieser Kommentar spielt auf die Möglichkeit an in VR das Setting des Beratungsraums zu wechseln, z.B. vom digitalen Wohnzimmer an den Strand]
  • Logistischer Aufwand der VR-Umgebung (Ausleihen?)
  • Irgendwie gruselts mich bei der Vorstellung, per VR in eine Beratung einzusteigen….. Weil – die Videoberatung zeigt mir doch noch a bisserl mehr meines Gegenübers!
  • meine erste Assoziation war NLP – Schaffung von eigenen Räumen – z.B. wo ich kreativ sein kann – übertragen im Setting Beratender und Klient. Daran anschließend, stelle ich mir die Frage, ob man dann neben der VR-Brille noch einen andern, z.B. Videokonferenz-Raum benötigt. So viel Technik. Wer der Klient*innen kann sich das leisten? Oder, soll das in der Beratungsstelle stattfinden?
  • Stimmt – viel Technik – wie kann man dann auf die Beratung fokussiert bleiben? Klingt erstmal schwierig, ist aber wohl eine Gewohnheitsfrage. Es könnte noch mal ganz andere Zielgruppen erreichen, nämlich all diejenigen, denen die „normale“ Beratungsstelle ggfs. etwas konservativ wirkende Beratungsstelle nicht ansprechend scheint. Settingvielfalt ist das Thema.
  • Ich habe schon Erfahrungen mit Proreal und die Arbeit mit Avataren. Ich konnte mir gut vorstellen, dass es für Gamer oder Jugendliche/n eine Möglichkeit bietet aber mir fehlte noch was, ich kann mir vorstellen, dass es mit VR deutlich neue Möglichkeiten gibt. Bin an Austausch und Experimentieren etc. sehr interessiert. Ich glaube eher, dass das erschließen von der Technik zügig geht für technikaffine Menschen. Für viele Jugendliche und junge Erwachsene wie heute morgen von Herrn Erp von Freiburg virtuelle/reale Wirklichkeit sind nicht mehr zu trennen.
  • Ich fürchte, dass die Technik sehr im Vordergrund steht. Ist ja auch schick, aber ich möchte so eine Welt nicht!
  • Ich glaube ein Vorteil könnte es sein, dass das Setting so gestaltet werden könnte, das statt angstbesetzter Räume, Räume mit positiven Assoziationen genutzt werden könnten (Toskana, Wald etc….).
  • in der Verhaltenstherapie ist das ohne Frage sehr sinnvoll – da angstbesetzte Situationen verändert werden können. Aber wo ist nun der Mehrwert für die Beratung? Und inwieweit hat das nun im speziellen mit Systemischem Arbeiten zu tun? 
  • die Gestik ist leider noch recht weit von intuitiver Gestik entfernt und Mimik fehlt komplett. 
  • wenn ein Klient zu mir in die Beratung möchte und ich würde ihn zunächst in diese Form der Beratung „schicken“ würde er mich für völlig verrückt halten.
  • ich glaube das eigene Imagination mehr Wirkung hat wie diese doch ja auch irgendwie vorgegebene Optik
  • Das ist wirklich lustig, aber das werde ich in meinem Berufsleben wohl nicht mehr nutzen. 
  • Alice in Wonderland – jemanden auf Wegen begleiten, Perspektivwechsel…  – die Raupe – Coaching…
  • Na Ja wenn ich an die plastische Gestaltung von Auswirkungen nach Veränderungen oder Entscheidungen denke, könnte ich mir vorstellen, dass es noch deutlicher erlebbar wird als nur über Imagination z.B. Anderseits gerade mei Menschen, die Schwierigkeiten haben innen und außen innere und äußere Stimmen etc. zu unterscheiden, stell ich mir das als kontraindiziert vor
  • Große Hürde das VR-Thema einzuführen (viele Leute hatten damit noch nie zu tun)
  • Flucht aus der Realität auf Seiten der Klient:innen? Suchtgefahr?
  • Nicht für alle Klienten geeignet, aber Chance für einige Klienten genau das richtige zu sein. Als Ergänzung nutzen, Methodenmix ala blended Counseling sollte die Basis bilden
  • Ich kann mir noch nicht vorstellen, wir ich das in der Beratung einsetzen sollen. Das ist mir noch zu störanfällig. Gerade in dem Bereich wo ich arbeite sehe ich große Problem. Braucht die Klientin auch so eine Ausrüstung?

Auch meinen Kolleg*innen von Zeitleben e.V. habe ich das VR Projekt vorgestellt und während des Vortrages Feedback auf einem Etherpad gesammelt:

  • Schön mit den Avataren….da verbergen sich ja sehr viele Möglichkeiten! Evtl.ist dadurch eine ganz andere Ebene der Verbindung möglich.Gefahr ist aber, das man es nicht als real sieht.
  • danke  für das Vorstellen der Methode -für mich wären die technischen Hürde erst einmal recht groß. aus jetzige Sicht würde ich vermuten, dass sich Gefühle nicht so leicht in dem virtuellen Raum erzeugen lassen?
  • mach weiter und hoffentlich erweitern viele Menschen dadurch Ihre Horizonte.
  • Bietet schöne visuelle Möglichkeiten, virtuelles Verkleiden und in Rollen/ Charaktere schlüpfen, wieder ablegen und Neues ausprobieren
  • Spielerische Aspekte können hilfreich sein
  • Technik-Affinität bei Kund:in 
  • Für die ggf. eher junge, technisch-affine Generation könnte dies spannend und attraktiv sein, um in Beratung zu kommen
  • Wer bin ich? Und wenn ja, wie viele?
  • Aufstellungsarbeit vorstellbar
  • Räsonieren stelle ich mir schwierig vor – Wahrnehmung „nur“ rein visuell analog Zoom, teams – für die ganzheitliche Erfassung der/des Kund:in (von kundig für sein Leben), von Situationen, (Re)Aktionen fehlt mir die Realität 🙂
  • Bietet Experimentierfläche für viele systemische Methoden und Interventionen
  • „teuer“ gemietete Beratungsräume können so kostengünstig kreiert werden – auch von den Kund:innen
  • Das Beratungs-Setting kann auf die Kund:innenwünsche individuell angepasst werden (wo soll die Beratung heute stattfinden? in den Bergen, am Meer, im Beratungsraum (z.B. weisse Ausstattung)…)
  • Avatare: tolle Möglichkeiten auch bei Identitätsthemen (LGBTIQ/ Diversity)
  • Wer bin ich? Wie fühle ich mich, wenn ich diese Rolle eingenommen habe?
  • Perspektivwechsel/Rollenwechsel
  • Großer Avatar (Frosch aus dem Raum heraus groß Skalieren): toller „Helikopter-Blick“-Perspektive
  • Ich schaffe mir als Klient die Umgebung, die ich benötige, um mich auf den Beratungsprozess einlassen zu können.
  • Erfahrungen der Selbstwirksamkeit / „fake it till you make it“
  • Auch die Frage “ Wie möchte ich (zusammen) leben/wohnen?“ ließe sich virtuell toll erproben. 
  • Oder man lässt die Klient:innen über die Ausgestaltung des Beratungsraumes entscheiden..?
  • Ist es realistisch, dass in absehbarer Zeit Klient:innen Räume entwicklen und damit Bilder formen für Lebensräume und -formen, für die sie noch keine Begriffe haben (Wunschbilder…)?
  • Rollenspiele: rollen werden inszeniert und die Inszenierung wird thematisiert, wie oben gesagt: für Selbstreflexion spannend..
  • Ich würde auch gerne es mal live erleben. Bin sehr offen – aber habe auch die Gedanken, dass es grenzwertig werden kann. 
  • Vielen Dank für Deine Mühe, Stefan.

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