10 Vorteile digitaler Beratung in VR

Eins sei direkt am Anfang festgehalten. VR besitzt die Vorteile vor allem gegenüber anderen Formen der online Zusammenarbeit. Die direkte Interaktion, das komplette Wahrnehmen des gegenübers sind in VR nicht annähernd so ausgeprägt wie im echten Leben. Es gibt aber viel Situationen in denen keine face to face Beratung möglich ist, sei es weil Ansteckungsgefahr besteht sich einfach nur weil Klient*in und Berater*in sich entscheiden lieber online zu arbeiten als auf dem Weg zum gemeinsamen Termin im Stau zu stehen. Wie bei allen digitalen Beratungssituationen entstehen keine Reisekosten, es ist kein expliziter Beratungsraum notwendig und es wird Menschen ermöglicht auch über 1000 Kilometer im Prozess zu bleiben.
Auf die Vor- und Nachteile der Beratung in nicht face to face settings geht dieser empfehlenswerte Beitrag der DGSF im Zusammenhang des Corona Lockdowns ein.

10 Vorteile

  1. VR funktioniert überall wo WLan vorhanden ist, diese muss nicht zuhause sein, sondern ist über mobile Wifi überall dort möglich wo eine mobile Datenverbindung besteht.
  2. Gestalttherapeutische Interventionen sind viel besser darzustellen als über Videochat. Eine Aufstellungsarbeit kann sehr einfach gestellt und von verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Sie kann am Ende der Sitzung noch im Hintergrund stehen bleiben, während man sie abschließend von einem Metastandpunkt betrachtet.
    Die Räumlichkeit ist wirklich der größte Vorteil von VR und hat eine unglaubliche Relevanz. Diese wird nicht nur optisch, sondern auch akustisch unterstützt. Stehen Avatare weiter voneinander entfernt verringert sich wie in echten Räumen auch mit dem Abstand die wahrgenommene Lautstärke.
  3. Die Hemmschwelle für die Inanspruchnahme einer Beratung sinkt. Die Kommunikation mit einem Avatar ist anonymer, was gerade Menschen entgegenkommt, die gehemmt sind über persönliche Probleme zu sprechen. Eine Klientin von mir gab nach der Sitzung an, dass sie nie gedacht hätte so frei sprechen zu können. Sich mit einem Avatar zu unterhalten empfand sie als viel leichter. Ähnliches lässt sich auch allgemein in digitalen sozialen Netzwerken beobachten. Die (scheinbare) Anonymität ermöglicht es Menschen viel offener zu sein und sich zum Beispiel über Tabus auszutauschen.
  4. Beratung in VR ist auch zugänglich für Menschen die ihre eigene Wohnung nicht verlassen können oder wollen.
  5. Einige Menschen mit körperlichen Einschränkungen wie z.B Muskelathropie sind in der Lage in VR Gegenstände zu bewegen, während ihnen das irl nicht gelingt. So kann es für diese Menschen möglich sein ihr Familie virtuell aufzustellen.
  6. Die Möglichkeit Avatare zu selbst zu wählen und zu gestalten bietet viele spielerische Möglichkeiten. Sie ist nicht nur eine anonyme Figur hinter der sich z.B. schüchterne Menschen „verstecken“ können, sondern bietet z.B. viel einfacher die Möglichkeit in Rollen zu schlüpfen, z.B. in der Arbeit mit inneren Anteilen
  7. Es gibt eine unendliche Auswahl an möglichen Beratungsräumen und Settings, von einem Lagerfeuer unter den Sternen, bis zur Weltraumstation oder ein ganz einfach gehaltenes Beratungszimmer, selbst die Nachbildung des eigenen Beratungsraumes ist prinzipiell über Mods möglich und wird in Zukunft noch um einiges einfacher und werden. siehe z.B die App Display.land (mittlerweile leider eingestellt, aber ein Blick lohnt sich). Durch Mods und mit der zukünftigen Entwicklung von speziell auf Beratungskontexte spezialisierte Apps wird es möglich sein einen voll personalisierten und ausgestatteten digitalen Beratungsraum für einen Bruchteil der Kosten eines realen Beratungsraumes zu haben. Digitale Stifte schreiben sich nicht leer und es werden eine Vielzahl von virtuellen Objekten (Klötzchen, Flipcharts, Seile etc. pp.) zur Verfügung stehen, die nur einen Bruchteil dessen kosten was wir heute im Beratungskoffer mit uns herumtragen.
  8. Es ist viel leichter mit Gruppen zu arbeiten. Aufstellungen von Gruppen nach Kriterien oder typische Teamaufgaben wie den Versuch mit mehreren Personen ein gleichschenkliges Dreieck zu bilden sind realisierbar. Zugleich sind virtuelle Gruppenausflüge möglich und bieten einen nicht zu unterschätzenden Wow-Faktor.
  9. Die Kosten für VR haben in den letzten Jahren dramatisch abgenommen und mit der gängigen Kaufhaus-Technik zum Preis eines Mittelklasse-Smartphone kann man JETZT loslegen. Ein versicherter Versand von Leihbrillen kostet nur wenige Euro. Zudem
  10.  VR macht Spaß!

Zu diesen einzelnen Punkten werden in Zukunft sehr wahrscheinlich weitere Artikel erscheinen. Angedacht sind momentan ein Artikel über Avatare und die Möglichkeit der Beratung für Menschen mit körperlichen Einschränkungen.

einer der Vorteile der Beratung in VR - digitale Stifte schreiben sich nicht leer 🙂

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