VR Beratung für Menschen mit Behinderung

Eine große Motivation Beratung in VR anzubieten war für mich die Idee, dass über die VR-Technologie mehr Menschen einen Zugang zu Beratung bekommen können. Eine Zielgruppe sind Menschen mit körperlicher Behinderung. In VR kann viel einfacher mit der Umwelt interagiert werden. Es muss zum Beispiel keine Kraft aufgewandt werden um Objekte zu bewegen und in VR gibt es kaum Beschränkungen für Rollstuhlfahrende, da in erster Linie mit Hand Controllern und dem Kopf gesteuert wird. Zudem sind virtuelle Beratungsräume auf den ersten Blick leichter zugänglich, da der Zutritt nicht durch fehlende Rampen oder Aufzüge verhindert wird.

Um die Möglichkeiten der VR einmal auszutesten habe ich einen sehr netten und aufgeschlossenen Kollegen von mir gebeten mit mir das VR Equipment zu testen. Er ist Rollstuhlfahrer und hat aufgrund seiner Behinderung nur sehr geringe Muskelkraft. Meiner Annahmen nach sollte er also zu den Personen gehören, die in ganz besonderem Maße von Beratung in VR profitieren. Ich selbst bin körperlich nicht eingeschränkt und wahrscheinlich deshalb in eine ganz typische Denkfalle getappt; die naive Vorstellung, dass Technik an sich Inklusion bedeutet.

Im konkreten Fall hat sich gezeigt, dass vieles nicht funktioniert und VR per se nicht inklusiv/behindertengerecht ist:

  • Um gleichzeitig noch den elektrischen Rollstuhl bedienen zu können ist es eigentlich nur möglich 1 Handcontroller zu benutzen.
  • bei der Aufstellungsarbeit mit Flaschen war es dem Tester nur schwer möglich die auf dem Boden stehenden Flaschen in VR aufzuheben. Er hätte sich im Rolli nach unten bücken müssen, was nicht möglich ist. (Im Nachhinein fällt mir ein, dass in dieser Situation in VR von der Sitz auf die Stehposition hätte geschaltet werden können, oder ein sehr kleiner Avatar genutzt werden können. So wäre er in VR näher am Boden und besser in Reichweite der Objekte)
  • Aus dem gleichen Grund war es nicht so einfach die Flaschen zu positionieren. Dies erfordert in der Regel ein Ausstrecken und Positionieren der ausgestreckten Arme. Dieses ist aufgrund der eingeschränkten Muskelkraft nur bedingt möglich. So vielen bei der Aufstellung der Objekte diese immer wieder um und waren dann nicht mehr in Reichweite.
  • Gegebenenfalls würde es funktionieren, wenn die Gegenstände über einen noch größeren Abstand herangezogen werden könnten oder die Bewegungen der Controller amplifiziert werden. Prinzipiell ist dies beides in VR möglich.

Eine Technologie mag das Potential haben körperliche Einschränkungen teilweise zu kompensieren. Um dies aber wirklich zu tun muss dieses Potential auch ausgeschöpft werden. Das heißt die Anwendung muss auf die jeweiligen Bedürfnisse ausgelegt werden. Dies erfordert vor der Implementierung eine Planung und Anpassung um möglichst vielen Menschen einen Zugang zu gewähren. In dieser Hinsicht unterscheidet sich die digitale Welt nicht besonders von der realen.

Auch in der digitalen Welt braucht es eine einfache Bedienbarkeit, eine leichte Sprache, und digitale Hilfsmittel um Zugang zu ermöglichen. So muss auch in digitalen Räumen die Möglichkeit implementiert werden diese auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung anzupassen. Sei es durch zusätzliche Programmierarbeit, oder auch nur die Aufmerksamkeit für Inklusion um bestehende Lösungen zu implementieren. Insbesondere ist festzuhalten, dass es nicht DIE körperliche Behinderung gibt. Jede Behinderung äußert sich anders und bedarf ggfs. anderer technischer Lösungen.

VR-Tools für Menschen mit Behinderung

Einige dieser technischen Lösungsmöglichkeiten gibt es, zumindest in der Erprobungsphase schon jetzt und mit der zunehmenden Leistungsfähigkeit des VR Equipments werden immer mehr davon auch zur Selbstverständlichkeit. Besonders interessant scheinen mir dabei diese 3 Innovationen. Vor allem die Blicksteuerung wird in den nächsten Jahren meiner Prognose nach starke Fortschritte machen. Hierbei handelt es sich nämlich um eine Technologie, die für den Massenmarkt konzipiert ist, und die Effizienz aller Anwender steigern kann. Erfahrungsgemäß setzt sich diese Art von Anwendungen einfacher durch.

Bewegungsverstärkung

Steuerung durch Blicke
Objekttelekinese

Wer sich für die Beratung in VR allgemein interessiert findet auf dieser Seite einen Überblick über das VR Beratungsprojekt.

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