Lösungswort

Die Intervention Lösungswort ist eine Methode, die ich aus Julia Camerons Morgenseiten entwickelt haben. Die Methode ist besonders vorteilhaft in der Arbeit mit Klient*innen, die sich das freie Denken verbieten z.B. wenn der eigene Standpunkt gefunden werden soll, oder in der Auseinandersetzung mit Tabuthemen. Das Setting ermöglicht in dieser Intervention nämlich das „Aussprechen“ bzw. besser ausgedrückt das „Ausschreiben“ der Gedanken und fördert kreative Lösungen und neue Impulse

Die Morgenseiten bringen uns wirklich auf die andere Seite: die andere Seite unserer Angst, unserer Negativität unserer Launen. Und, was am wichtigsten ist, so lassen wir unseren Zensor hinter uns. So gelangen wir in einen Bereich, in dem kein Zensor mehr brabbelt, und dort finden wir unser eigenen ruhiges Zentrum, […]

Julia Cameron – Der Weg des Künstlers S.38

Es geht darum den inneren Zensor auszuschalten, den Klient*innen zu vermitteln, dass es nicht auf Logik, Struktur und Rechtschreibung ankommt, sondern ausschließlich darum durchgängig 3 Seiten zu beschreiben. Es ist kein Tagebuch oder kein Fließtext der mit einem Ziel gelesen werden soll. Es geht um die Entfesselung der Kreativität. Alles, wirklich alles ist erlaubt und wenn nichts mehr kommt sind auch Umwege erlaubt. Das Allerwichtigste ist, dass ohne Unterlass, ohne zu grübeln geschrieben wird bis die 3 Seiten gefüllt sind. Es wird durch den Stift gedacht. Ungefiltert! Durch den fehlenden Filter, das Austricksen der eigenen Denkverbote kann es zu kreativen Lösungen kommen.

Mehrfach betone ich, dass der Text ganz alleine für die oder den Klient*in gedacht ist und wir ihn im Nachhinein nicht besprechen müssen. Ich erklären sehr genau und wiederholt, dass es einzig darum geht sich selbst mit dem eigenen Schreiben zu überraschen.

Setting für das Lösungswort

Ich gebe einige Bögen weißes A4 Kopier-Papier auf einem Klemmbrett aus. Dazu gebe ich die Auswahl an verschiedenen, wertigen Stiften, Füller, Kugelschreiber etc. Die Gedanken sollen einen würdigen Rahmen bekommen, ohne in Stein gemeißelt zu wirken. [Bitte kein teures Briefpapier oder Notizblock). Ganz wichtig ist es einen Aktenvernichter im Raum zu platzieren mit der Ermunterung das Geschriebene direkt nach der Sitzung zu vernichten. Er ruf durch seine bloße Anwesenheit in Erinnerung, dass alles gedacht/geschrieben werden darf und Anonymität ernst genommen wird. Gerne demonstriere ich im Vorhinein auch einmal kurz das Funktionieren.

Ich bitte am Anfang darum das Thema oder die Fragestellung in einem Lösungswort, Losungswort oder Fokuswort zu bündeln und dieses in die Mitte jeder der drei Seiten zu schreiben. Es soll im Zentrum der Methode stehen und muss natürlich nicht mitgeteilt werden.

Geistesblitze die im Text auftauchen dürfen gerne mit einem Strich am Rand markiert werden können um sie am Ende der Intervention leichter bergen zu können. So soll ermöglicht werden Wichtiges hervorzuheben und nicht zu vergessen ohne den Schreibfluss zu stören. Zudem erläutere ich die Option am Ende der letzten Seite noch ein Fazit mit möglichen nächsten Schritten zusammenfassen zu können.

Im Gegensatz zur Methode der Morgenseiten, die dem absolut freien Gedankenfluss zu egal welchem Thema folgt, sollen die Gedanken so frei wie möglich um das Lösungswort kreisen. Um den Gedanken auf die Sprünge zu helfen und sie immer wieder in Schwung zu bringen, arbeite ich bei dieser Methode mit Karteikarten, die verdeckt auf dem Tisch liegen. Sie sind schon fertig geschrieben und sind so allgemein gehalten, dass sie sich für jedes Thema eignen. Sie sind Denkanstoß und Irritation.

Wenn ich merke, dass der Schreibfluss nur etwas stockt, drehe ich eine der Karten um, oder lege dem oder der Schreibenden nahe doch eine Karte selbständig umzudrehen. Wichtig ist, dass diese Karten nicht lenken sollen, oder eine Frage stellen die beantwortet werden muss. Sie sind Denkangebote, die ignoriert werden dürfen. Es zählt nur, dass der Stift um das Lösungswort tanzt bis die 3 Seiten beschrieben sind! Dies dauert in der Regel 20-30 Minuten.

Ich schließe die Intervention indem ich eine gemeinsame Reflektion anbiete. bzw. Möglichkeiten zum Alleine weiterdenken anbiete, dies können zum Beispiel sein:
Was brauchen sie ggfs. noch von mir? Wie geht es Ihnen jetzt? Gibt es Aspekte die sie sich mit mir oder mit anderen noch einmal anschauen wollen? Wer könnten diese Anderen sein? Was brauchen Sie noch um jetzt gut nach Hause gehen zu können? Haben sich Fragen aufgeworfen, die Sie sich in einer anderen Sitzungen gerne ansehen würden? Was sind erste Schritte die jetzt für Sie denkbar sind?

mögliche Kartentexte

wer?

was sagt … dazu?

und was wäre wenn…?

im besten Fall …

ich darf…

ich erlaube mir…

ich will…

und noch

wer sagt das?

was ist gut daran, dass es so ist?

wenn es bei jemand anderem so wäre…

was heißt es diese Frage vom Kopf auf die Füße zu stellen?

und noch mal von Vorne …

was würde sich ändern wenn…?

wen kenne ich die/der für ein ähnliches Problem eine Lösung gefunden hat?

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