Corona 2020 – VR als neue Möglichkeit digitaler Beratung?!

In den letzten Monaten wurde immer wieder von der Zukunft der Arbeit gesprochen. Homeoffice, Videokonferenzen usw. werden Normalitäten im Berufsalltag. Doch wenn wir über die digitale Zukunft sprechen, dürfen wir meiner Meinung nach nicht nur auf Technologien schauen, die schon mehrere Jahrzehnte alt sind, sondern sollten den Blick auch auf das richten, was uns Virtual Reality (VR) ermöglicht, auch wenn diese Technologie gerade erst den Kinderschuhen entwächst.

Der digitale „Stand der Technik“ systemischer Beratung

Seit dem Corona Lockdown nutzen viele systemische Berater*innen Videochat oder das Telefon für eine Beratung. Was vor Monaten für viele undenkbar war ist da, wurde und wird jetzt genutzt. Aber diese Form der digitalen Beratung wird fast ausschließlich als Behelf empfunden. Und das ist verständlich. Gestalttherapeutische Interventionen, Bewegungen im Raum, das Arbeiten mit Nähe und Distanz und Aufstellungen sind kaum möglich, wenn man sich an einem Bildschirm gegenübersitzt.

Diese Formen der digitalen Zusammenarbeit mögen ungewohnt sein, die dahinterliegende Technologie ist aber schon lange nicht mehr neu:

Ich kann mich noch sehr genau erinnern, es muss in den frühen 90er Jahren gewesen sein. Ich stand bei meinen Eltern im Flur neben unserem gemütlichen Ohrensessel. Das Telefon mit einem langen Kabel zwar, aber ortsgebunden fest mit der Wand verbunden; dass Kinder selbst Handys haben würden war noch Zukunftsmusik. Ich muss so etwa 13 Jahre alt gewesen sein, als ich mit meiner Tante am Telefon darüber sprach, dass es bald vielleicht Videotelefonie geben werde. Keine Ahnung wo ich das aufgeschnappt hatte, aber ich fand es faszinierend. Dann könne ich sie ja gar nicht mehr anrufen, wenn sie aus der Dusche käme, war ihre ganz in der Gegenwart verhaftete und ebenso einsilbige Antwort auf dieses für mich so faszinierende Kuriosum. Das war wie bereits erwähnt in den 90er Jahren. 2003 startete dann Skype durch und mittlerweile können wir per Smartphone kabellos, digital und überall mit Bild telefonieren. Kinder wachsen schon seit Jahren mit dieser Technologie auf. Trotz einiger kleiner Neuerungen (breakout rooms etc.) hat sich am Prinzip der Videokonferenzen aber seit Jahrzehnten fast nichts getan.

Videokonferenz, das Telefon (Gespräche und Chat) oder Email sind meiner Beobachtung nach das Einzige was systemische Berater*innen in digitalen Beratungssettings nutzen. Dazu schaue man sich etwa das Programm der Jahrestagung der DGSF „Systemische Praxis und Lehre im digitalen Wandel!? – Aufgaben, Perspektiven und Chancen“ im Frühjahr 2019 an. Die besprochenen digitalen Möglichkeiten wie Videokonferenz, Mail und Messenger fokussierten auf Technologien die schon jetzt in der Breite vorhanden sind. Der Corona Lockdown hat gezeigt wie schnell ein Wandel zu diesen Formen der Beratung möglich ist, wenn es muss. Die Perspektiven von 2019 wurden also ganz schnell Gegenwart mit allen notwendigen und zum Teil sehr schmerzhaften Anpassungsprozessen.

VR – die Zukunft der digitalen Beratung?!

Meine These lautet: Wer 2020 über die Zukunft der digitalen systemischen Beratung sprechen möchte kommt um ein Thema nicht herum: Virtual Reality, VR oder zu deutsch virtuelle Realität. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Technologie, oder ihre Schwester die Augmented Reality in den nächsten Jahren Einzug in unser Leben halten wird. Die Möglichkeiten der VR sind meiner Meinung nach sehr vielversprechend und schon jetzt lässt sich, digitale Beratung in Virtual Reality durchführen. In einigen Aspekten hat eine Beratung in VR Vorteile gegenüber anderen Formen digitaler Beratung.

VR – Virtual Reality was ist das?

Für diejenigen, die sich mit diesem Thema überhaupt noch nicht beschäftigt haben, empfehle ich zum Einstieg dieses super gemachte englischsprachige Video eines ziemlich krassen Experiments. Es gibt einen ersten, ganz allgemeinen Eindruck was jetzt schon alles in VR möglich ist. Für Freunde des geschriebenen Wortes ist auch der Wikipedia Artikel über VR zu empfehlen.

VR – Das ist doch nur was für Freaks und Gamer …

Ich denke mit dieser Aussage macht man es sich zu leicht. VR ist dabei den Massenmarkt zu erobern, es braucht in 2020 keine High End Computer mehr um VR erlebbar zu machen. In jedem Elektrofachmarkt sind heute zu Preisen eines guten Mittelklasse-Smartphones Stand Alone Lösungen zu finden um VR zu nutzen. Dazu gibt es jetzt schon Apps/Spiele in denen Beratungen durchgeführt werden können und zwar mit der Möglichkeit der Interaktion mit Gegenständen und echtem Raumgefühl, so dass Interventionen wie z.B. Aufstellungsarbeiten möglich sind. Natürlich sind diese Voraussetzungen (noch!) Behelfe die bestimmte Startschwierigkeiten und Probleme mit sich bringen, welche ich in diesem Artikel darlege, aber es wird sich in diesem Bereich in den nächsten Jahren viel tun. Das Moore’sche Gesetz, nachdem sich die Rechenleistung etwas alle 18 Monate verdoppelt, wird schon bald dazu führen, dass die VR-Geräte im budget customer Markt immer leistungsfähiger und günstiger werden.

Je mehr wir uns mit dieser Technologie beschäftigen, desto besser können wir dazu beitragen, dass genau die VR-Anwendungen entstehen, die wir für ein erfolgreiche Beratungsarbeit benötigen. Ich habe damit angefangen zu notieren, was eine App für die VR-Beratung benötigen würde; Kommentare sind mehr als willkommen…

 

Hier geht´s weiter mit der Kurzvorstellung meines VR Projektes.

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