Marco Wehr: Der Weg zum Glück – Podcastempfehlung

Ich bin kein großer Fan von seichten Glücksbotschaften insofern habe ich etwas länger überlegt, ob der Podcast „So findet man den Weg zum Glück“ den Weg von der Aboliste in die Downloadliste der zu hörenden Episoden schafft. Ich bin froh mich überredet zu haben.
Der Vortrag von Marco Wehr (promovierter Physiker, Philosoph und Tänzer, sowie Autor eines populärwissenschaftlichen Buches zur Chaostheorie) ist wirklich hörenswert. Man merkt Marco Wehr die Lust am Denken und argumentieren an und es verwundert nicht, dass er aktives Mitglied des Philosophischen Labors ist.

Ausgehend von einem Vergleich der Corona-Pandemie mit der mittelalterlichen Pest fragt er, was es eigentlich braucht um glücklich und zufrieden zu sein. Denn obwohl die meisten Menschen diese Ziele für ihr eigenes Leben nennen, entscheiden sich die Menschen in der Regel anderen Kriterien zu folgen. So prägen äußere Werte, die gerne mit „Erfolg“ assoziiert werden (z.B. Vergleiche mit Anderen oder eine prinzipiell nie zu sättigende Konsumlogik) das Leben der Menschen. Fälschlicherweise wird nämlich davon ausgegangen, dass „Erfolg“ (Wohlstand, Ansehen, Einfluss, Karriere) uns glücklich macht. Warum das nicht so ist wird sehr eindrücklich anhand von wissenschaftlichen Befunden geschildert.
Dabei sei das Rezept für ein glückliches Leben eigentlich ganz einfach: eine Tätigkeit, die den eigenen Neigungen entspricht, Liebe geben und annehmen können und sich nicht von Erfolgskriterien leiten zu lassen, die faktisch niemals erfüllt werden können (s.o. Konsum, Ansehen…)

Der Vortrag ist sehr gut verständlich und mit eindrücklichen Beispielen und Ergebnissen aus Experimenten gespickt. Es macht auch große Freude sich diesen Vortrag nicht alleine anzuhören und kleine Diskussionspausen einzulegen. Dankenswerterweise steht auch ein Manuskript zur Sendung bereit. Ich hätte mich aber gefreut, wenn zumindest darin eine Literatur, oder besser noch Linkliste zu den vorgestellten wissenschaftlichen Experimenten/Veröffentlichungen zu finden gewesen wäre. Toll wäre außerdem, wenn die Podcastepisode mit Bildern und Kapitelmarken ergänzt worden wäre. So hätte die etwas umständliche mündliche Erläuterung der Wertfunktion der prospect theory (Grafik im Wikipedia-Link), zumindest für die Podcast-Hörenden, verbildlicht werden können.

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